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Text und Fotos:  Jörg Ackermann

 

Cima Tosa  3159 m

(Brenta)

 

 

Die Brentagruppe genießt unter Kletterern und Klettersteiggehern aufgrund ihrer Felsqualität und ihrer landschaftlichen Schönheit einen ausgezeichneten Ruf. Und auch Gleitschirmflieger finden bei Molveno ein herrliches Fluggebiet mit Landeplatz direkt am Lago di Molveno. Für Paraalpinisten bietet gerade der höchste Gipfel der Gruppe, die Cima Tosa (3152 m), eine ebenso lohnende wie teilweise anspruchsvolle Unternehmung. Allerdings ist die charakteristische Gipfelfirnhaube in den letzten Jahren stark abgeschmolzen, was einen gefahrlosen Start nach Süden nicht möglich erscheinen lässt. Nach Norden bzw. Nordwesten ist der (noch) ganzjährig vorhandene Firnrest jedoch ideal geneigt und bei schwachem Wind ist ein Abheben dort einfach möglich. Dennoch ist bei starker Ausaperung ein Startlauf mit Steigeisen empfehlenswert, und hat der Wind einen östlichen Einschlag, ist man kurz nach dem Abheben im Lee des Crozzon di Brenta. Über den weiteren Flug entscheiden manchmal auch die Sichtverhältnisse, denn gerade in der thermisch aktiven Zeit bereitet nicht selten der berühmte Brentanebel erhebliche Orientierungsprobleme. Trotzdem, es lohnt sich, die Flugplanung flexibel zu halten, denn man wird in jedem Fall mit einer eindrucksvollen landschaftlichen Kulisse belohnt.

Ausgangspunkt für die Besteigung der Cima Tosa auf der Normalroute ist das Rif. Pedrotti (2486 m) oder das etwas unterhalb gelegene Rif. Tosa (2439 m). Diese beiden Hütten erreicht man entweder von Norden, vom Rif. Vallesinella (1513 m, mit Pkw von Madonna di Campiglio), vorbei am Rif. Brentei (2182 m) über die gesicherte Bocca di Brenta (2549 m) in 4 h, oder von Süden, von Molveno (864 m), vorbei am Rif. Selvata (1642 m) in etwa 4-5 h. Für den Zustieg von Norden können im Frühsommer Steigeisen sinnvoll sein.

Für den Gipfelanstieg folgt man zunächst dem Sentiero dell´Ideale in einem weiten Linksbogen bis in die Geröllmulde des ehemaligen Unteren Tosagletschers. Bei etwa 2750 m geht es rechts (Roter Pfeil) auf deutlichen Pfadspuren und über Geröllabsätze bis unter den schon von Weitem sichtbaren meist feuchten Kamin. Die folgenden ca. 30 m erfordern richtige Kletterei (III-) und rechtfertigen die Mitnahme eines Seiles, vor allem, wenn man hier wieder absteigen muss: zunächst einige Meter durch den meist feuchten, speckigen Kamin, dann bei einer abdrängenden Stelle schräg rechts zu Absatz (gebohrter Stand, ca. 15 m). Nun leichter (II) rechtshaltend nochmals 15 m zum zweiten gebohrten Stand, ab da dann einfach über Schrofen und Absätze, bis man das weitläufige Gipfelplateau erreicht. Es lohnt sich, sich ab und zu ´mal umzudrehen, denn trotz der Steinmännchen kann die Routenfindung bei einem notwendigen Abstieg im Nebel knifflig sein… Linkshaltend über das Gipfelplateau zum höchsten Punkt mit Madonna (ca. 3 h ab Rif. Pedrotti) und noch etwa 100 m weiter am oberen Rand des Gipfelfirns Richtung Westen zum Startplatz. Bei normalen Verhältnissen kann man den Pickel zu Hause lassen und auch die Steigeisen sind lediglich beim Starten ganz nützlich.

Der hier vorgeschlagene Flug folgt zunächst dem Val Brenta Richtung Nordwesten. Sobald es möglich ist, nach Südwesten das Sarcatal entlang, wo es immer wieder Landewiesen gibt. Ohne thermische Unterstützung reicht es bei schwachwindigen Verhältnissen etwa bis San Antonio di Mavignola. Kann man nach dem Start direkt Richtung Westen fliegen, liegt ein offizieller Landeplatz bei Pinzolo in Reichweite. Zudem ist es im Frühsommer sicherlich möglich, auf Firnresten entlang der Aufstiegsroute am Ausstieg zum Gipfelplateau Richtung Süden (Molveno) zu starten.

 

Lage

Brentagruppe, Trentino, Norditalien

Ausgangspunkt

Madonna di Campiglio im Nordwesten oder Molveno im Südosten

Anreise

A22 (Brennerautobahn) bis AS Bozen Süd und über den Mendelpaß nach

 Madonna di Campiglio oder bis AS Mezzocorona und nach Molveno

Stützpunkt

Rif. Pedrotti (2486 m), von Nordwesten 4 h, von Südosten 4-5 h

Höhenunterschied

Zur Hütte von Nordwesten ca. 1050 m, von Südosten ca. 1580 m; von dort zum Gipfel ca. 700 m

Gehzeit

3h von Rif. Pedrotti bis zum Gipfel

Startrichtung

N bis W

Tourcharakter

Bis auf 30 Klettermeter (bis III-) einfacher Hatscher; Seil empfehlenswert,

Pickel ist nicht notwendig; Geräumiger Startplatz

Hinweise

Beste Zeit ist der Spätsommer (Schlüsselstelle zum Klettern meist trocken,

nur noch moderater Talwind); wegen des Brentanebels auch Abstieg zu Fuß einkalkulieren

Kartenmaterial

Alpenvereinskarte Nr. 51 Brentagruppe 1:25000; Kompasskarte Nr. 73 Gruppo di Brenta 1:50000

 

 

Schon von Madonna di Campiglio lässt sich das Gipfelfirnfeld der Cima Tosa erkennen

Im Aufstieg von Molveno zum Rif. Pedrotti zeigt sich die eindrucksvolle SW-Wand des Croz dell´Altissimo; vorne das Rif. Selvata

Der Startplatz an der Cima Tosa; rechts erkennt man am Grat die Gipfelmadonna, der helle Punkt am linken Bildrand ist die Biwakschachtel am Gipfel des Crozzon di Brenta.

Blick zurück zum Startplatz der Cima Tosa.

Rif. Brentei das im Aufstieg von Norden passiert wird.

Beeindruckende Dimensionen: der Schatten meines Gleitschirms an der W-Wand des Crozzon.

Unmittelbar nach dem Start passiert man die NW-Wand des Crozzon.

Die Cima Brenta im Osten

Nach Passiern des Crozzon wird im Osten der Blick frei zur Brenta Alta und dem Campanile Basso

Nochmals einen Blick zur Tosa und zum Crozzon.

Landemöglichkeit in San Antonio im Sarcatal.

Ein schöner Flug und eine gute Landung.