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"Reinhold" von Wings of Change

 

 

Reinhold, das Best-of-Album der Bergsteiger-Schirme:
Die ultraleichte Symbiose aus Speedrider und Gleitschirm


Wie eine windige Nacht am Berg Markus Gründhammer zur Erfindung einer neuen Klasse an Flüggeräten inspirierte.


Eines Nachts lag Markus Gründhammer, Gleitschirm-Produzent aus dem Stubaital, im Zelt am Gipfel der Nockspitze, ein erhabener Gipfel am Eingang des Stubaitals. Der Wind pfiff über den Grasrücken hinauf, die Zeltplanen schlugen umher, an Schlaf war nicht zu denken. "Mein Schirm", dachte sich Markus, "müsste so klein sein, dass ihn dieser Wind nicht beeindruckt. Ich will einen Flügel, der immer fliegt."
Am Morgen darauf pfiff der Wind weiter mit 40 Stundenkilometern über die Nockspitze hinweg. Markus packte sein Zelt zusammen; stapfte in zwei Stunden zurück zum Auto nach Telfes. Auf seinem Weg ins Tal begann er gedanklich bereits zu konstruieren. Das Anforderungsprofil: Abheben soll der Flügel möglichst gleich schnell wie ein Gleitschirm, um auch auf kleinen Startplätzen und bei widrigem Wind starten zu können; seine Leistung soll deutlich höher sein als jene eines Speedflyers – sonst würde er von der Nockspitze Fulpmes nicht erreichen; das Gewicht soll im Vergleich zum Ötzi (aktuelles Modell; rund 3,5 Kilogramm schwer) nochmals sinken.
Markus griff zum Hörer, rief seinen Konstrukteur an und schilderte ihm seine Wünsche. "Markus, was Du willst, das geht nicht", sei die erste Antwort gewesen. "Und ob das geht!", antwortete der Stubaitaler, der als der Spezialist gilt, wenn es ums Einstellen und Testen von Gleitschirmen geht. Wenige Wochen später klopfte der Fahrer des Paketdienstes mit drei Paketen im Arm bei Markus. Darin: Ein Prototyp mit 14,5 Quadratmetern, einer mit 16 und einer mit 18. Dazu Markus: "Wir gingen in der Konstruktion einen innovativen, völlig neuen Weg und kombinierten das Profil eines Wettkampf-Gleitschirmes mit jenem eines Fallschirms. Ich hatte so eine Vorahnung, dass es funktionieren würde."
In Testflügen stellte Markus rasch heraus: Die mittlere Größe erwies sich als die perfekte Kombination aus Geschwindigkeit und Leistung. "Der Kleine hatte zu wenig Leistung, dem Großen fehlte es an Stabilität", erklärt Markus, der noch Wochen an der optimalen Trimmung seines Schirmes basteln sollte; den er alsbald Reinhold taufte, was für ihn nach Bergsteigen klingt. "In Testflügen stellten mein Team und ich fest, dass Reinhold im Trimm rund 60 Stundenkilometer schnell ist. Fliegt man leicht gebremst, erreicht er eine Leistung von knapp unter Gleitzahl sechs. Ein sensationeller Wert der Welten über jenen eines Speedflyers liegt."
In mehreren Hundert Testflügen optimierte Markus den Reinhold: "Er ist der Schirm mit dem wohl breitesten Einsatzbereich unter den Bergsport-Flügeln. Reinhold ist die Vollendung eines Traums und der Eintritt in eine neue Klasse des Fliegens. Er ist in Anmutung und Bauart einzigartig", schwärmt Markus über den Flügel. "Während Mini-Gleitschirme in Böen klappanfällig werden und große Speedflyer mit deren dicken Profilen gegen den Wind die Puste ausgeht, setzt Reinhold eisern seinen Drang nach vorne durch."
Das Handling des Flügels erinnert mehr an einen Gleitschirm als an einen Speedflyer: Der Flügel lässt sich exakt steuern und gräbt erst nach deutlichem Zug an der Bremsleine. Das Startverhalten ist wiederum simpel wie bei einem Speedflyer; die Abhebegeschwindigkeit hingegen gering wie bei einem Gleitschirm. "Natürlich fordert es ein wenig Erfahrung, um mit Reinhold umgehen zu können. Ein Speedflyer ist jedoch schwieriger zu fliegen als Reinhold", erklärt Markus. "Reinhold lässt sich eben besser handeln."
Seinen Testhöhepunkt erlebte Reinhold im Frühsommer 2011 am Wilden Freiger. Die Messstation am wenige Hundert Meter entfernten Grat Richtung Südtirol zeichnete 60 Stundenkilometer auf – und Markus flog mit Reinhold mit leicht geöffneten Trimmern ins Tal. Und das "wie auf Schienen", wie Markus betont. "Der nur zweieinhalb Kilogramm leichte Reinhold wurde zu meinem besten Bergkammeraden", scherzt der Stubaitaler.

Pilotenprofil:

Reinhold wurde von Skyman Markus Gründhammer bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 60 Stundenkilometern im hochalpinen Einsatz getestet. Reinhold zeigt sich stabil gegen Klapper, ist kontrollierbar wie ein Gleitschirm und schnell wie ein Speedflyer. Das Startverhalten ist einfacher als bei einem Gleitschirm. Dennoch setzt der Flügel – wie alle Mini-Wings – fliegerisches Können voraus. Durch seine Fläche von nur 15,8 Quadratmetern reagiert das Segel dynamisch auf Einflüsse und Störung. Reinhold ist wie die Berge, die damit bestiegen werden können: Wer rauf will, muss wissen, was er tut. 

 Die Eckdaten:
Ausgelegte Fläche: 15,8 Quadratmeter
Projizierte Fläche: 13,75 Quadratmeter
Ausgelegte Spannweite: 8,21 Meter
Geschwindigkeit, Trimm: rund 60 Stundenkilometer
Geschwindigkeitsbereich: etwa 30 bis 75 Stundenkilometer (je nach Zuladung)
Gewicht: 2,5 Kilogramm

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