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Zion von Niviuk


Text, Bilder und Video von Martin Zech

3.10.2011

Nachdem mein eigener Bio Air Technology Ski’m so langsam aber sicher in die Jahre gekommen ist, war ich schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem würdigen Nachfolger. Als ich zu letzt in Westendorf einen Niviuk Zion gesehen hatte war klar,  dass ich diesen auch mal testen werden müsste. Gesagt getan - kurze Zeit später wurde mir freundlicherweise von Turnpoint ein extra aus Spanien bestellter Niviuk Zion in der Größe 17m² zugesandt.

Der Zion wirkt sehr solide verarbeitet, besitzt aber im Vergleich zum Ski’m ein etwa 20% größeres Packmaß. Niviuk verwendet rundum ein Porcher Skytek 40 Tuch, in Zusammenhang mit Technora Leinen von Teijin. Beim Öffnen der Tragegurt-Tasche fällt auf, dass Niviuk sehr massive Tragegurte einsetzt; dies trägt sicherlich nicht zur Gewichtsreduktion bei, lässt allerdings ein sehr leichtes Handling zu. Laut Niviuk wiegt der Zion in der Größe 17 übrigens 3.9kg, meine eigene Messung hat hier allerdings eher 4200g ergeben. 

Für den Test des Zion hatte ich mir eine hübsche Tour ausgesucht, und zwar eine Bergwanderung auf die Upsspitze bei Lermoos (Tirol, siehe auch http://vimeo.com/29685230) mit anschließendem Biwak und Flug zurück ins Tal in den frühen Morgenstunden. Am Startplatz ausgelegt fällt erst einmal die große Streckung des Schirmes auf; diese liegt bei 4.9 (ausgelegt), was im Vergleich zu herkömmlichen Gleitschirmen zwar immer noch gering ist, aber im Vergleich zu anderen Speedflyern doch sehr hoch ausfällt (Dudek Zakospeed  4.7, Bio Air Technology Ski’m 4.4, Gin Bobact 3.9, Ozone Bullet XT16 3.4). Die hohe Streckung in Kombination mit dem leistungsfähigen Profil macht sich auch gleich in der Startphase bemerkbar: auch bei null Wind benötigt der Schirm nur wenige Schritte um alsbald mit dosiertem Bremseneinsatz in die Luft zu schießen (“schweben” wäre hier wohl eher die falsche Terminologie). Gerade im hochalpinen Gelände - wie z.B. auch an der Upsspitze - schafft dies Vertrauen und Sicherheit. Im Flug zeigt der Zion dann seine wahre Stärke - und das ist erstaunlicherweise Leistung. Der Zion erlaubt einen erfliegbaren Geschwindkeitsbereich von 40km/h (Trimmer geschlossen, Bremsen offen) bis etwa 70km/h (Trimmer offen, Bremsen offen - eigene Messung in ruhiger Morgenluft), wobei die Gleitzahl höher ist als bei jedem bisher von paraalpin getesteten Mini-Schirm. Dies lässt Flüge zu, welche bisherigen Speedschirmen ganz klar verborgen geblieben sind (z.B. die Route Talkaser - Brixen - Westendorf an der Choralpe in Tirol, welche ich am nächsten Wochenende getestet habe). Gleichzeitig bietet der Zion ein wunderschön direktes, sportliches Handling, welches dynamische Flugmanöver eine wahre Freude macht. Alles in allem bringt dies den Zion ganz klar auf Platz 1 meiner Mini-Favoriten - weswegen sich dieser nun auch mein Eigen nennen darf.
Rückwirkend bleibt zu sagen, dass Niviuk mit dem Zion ein wirklich faszinierendes Schirmchen ist auf den Markt gebracht hat, welcher Leistung, Geschwindigkeit, und dynamisches Handling vereint. Diese Kombination kommt meiner Meinung nach aber nicht ohne einen Preis, und dieser ist wahrscheinlich die Klappstabilität in turbulenten Bedingungen - auch wenn es dies noch zu testen gilt. Klar sollte jedoch sein, dass der Zion - ebenso wie der Reinhold von WOC, welcher meiner Meinung nach in eine ähnliche Klasse von Schirm fällt - ausschließlich in erfahrene Hände gehört.